Bayerns Jubiläums-Sieg: 1000 Dank

Es ist schon ein kleines Wunder gewesen, dass die Marketing-Abteilung des FC Bayern München nicht noch ein großes Feuerwerk organisiert hatte an diesem Samstag. Denn durch den anfangs gar nicht feurigen 4:0-Erfolg gegen Köln hat der deutsche Meister auf seiner Jagd nach immer neuen Rekorden eine schöne, runde Jubiläums-Bestmarke aufgestellt: seinen 1000. Bundesliga-Sieg.

Das klingt monströs und ist es auch, zumal die Bayern ihren Startrekord aus dieser Saison mit nunmehr zehn Erfolgen in Serie weiter ausgebaut haben. „1000 Siege sind überragend, für alle: Trainer, Fans, Spieler, Mitarbeiter. Ich bin sehr stolz, Trainer von Bayern München zu sein, der Verein ist immer ein Teil meines Lebens“, sagte Josep Guardiola später angemessen pathetisch.

Die 0:2-Niederlage gegen Arsenal vom vergangenen Mittwoch? Ein kleiner Makel, über den die Münchner nur noch müde lächeln konnten. Und Kölns Trainer Peter Stöger berichtete ironisch-zerknirscht, ein Gratulationsschreiben vorbereitet zu haben zum 1000. Sieg: „Ich hatte aber gehofft, dass wir das erst nächste Woche losschicken können.“

Dazu passte, dass Bayern-Stürmer Robert Lewandowski mit seinem 13. Tor im zehnten Ligaspiel weiter auf den Spuren von Gerd Müller wandelt. Und dass Douglas Costa mit einer weiteren Torvorlage in dieser Kategorie weiter einsam seine Kreise in der Liga zieht.

Aber ein Mann stach doch noch etwas mehr hervor als alle anderen, auch weil er zuletzt so selten zu sehen war: Arjen Robben. Der Niederländer hatte sich beim Länderspiel gegen Island am 3. September eine Muskelverletzung zugezogen, musste sieben Wochen pausieren – und traf knapp zwei Monate später bei seinem Comeback gegen Köln zum 1:0 (35.).

Auch Robben feierte ein Jubiläum, es war sein 75. Bundesliga-Tor. Später berichtete der 31-Jährige: „Das 1:0 ist eine sehr schöne Belohnung für die Arbeit, die ich reingesteckt habe, um zurückzukommen.“

Robben kehrt zurück und trifft

Sein Schwager war extra mit seiner Fußballmannschaft aus Groningen nach München gereist, um Robben spielen zu sehen. Sie alle sahen bei ihrem lohnenswerten Ausflug zunächst ein auch in taktischer Hinsicht interessantes Spiel: Guardiola hatte es gewagt, Robben neben Costa und Kingsley Coman von Beginn aufzustellen, mit Müller und Lewandowski waren die Bayern extrem offensiv besetzt.

Sie spielten, wenn man so will, ein 4-1-5-System, mit Robben hinter Lewandwoski im Zentrum, Costa auf der rechten Seite und Coman auf der linken. Doch erst als Robben nach einer halben Stunde mit Costa tauschte und auf seine angestammte rechte Seite zurückkehrte, funktionierte Guardiolas Plan – Minuten später zog Robben in den Strafraum der Kölner und traf. „Das Spiel war schwer, wir hatten keine Räume“, beklagte sich Guardiola. Robben sah die Schuld beim Gegner: „Es ist sehr negativ, wenn du so tief drin stehst, das ist Handball.“

Eine reichlich einseitige Betrachtung der Dinge, denn die Bayern-Bemühungen hatten bis zum Führungstreffer auch seltsam uninspiriert gewirkt. Köln nutzte die vielen Ballverluste der an ihrem Strafraum kreiselnden Bayern, war aber bei seinen vielversprechenden Kontern zu zögerlich. „Wir haben versucht, Räume zu schließen. Was ich kritisieren kann, dass wir gute Konterchancen überhaupt nicht genutzt haben“, analysierte Stöger treffend.

Im Pokal wartet der Titelverteidiger

Das Spiel wurde so jedenfalls zu einer Blaupause so vieler Bundesliga-Partien der Bayern gegen, ohne den Kölnern zu nahe zu treten, viele Mittelklasse-Gegner. Das 1:0 sprengte deren taktisches Korsett, die Rheinländer mussten offensiver spielen, die Bayern fanden nun die nötigen Räume, um durch Arturo Vidal (40.), Lewandowski (62.) und Müller (78./Foulelfmeter) zu ihrem ungefährdeten Erfolg zu kommen – der auch ihre großen Lücken, die bei diesem offensiven System in der Defensive entstanden, überlagerte.

Es sind Lücken, die sich bei den Bayern am kommenden Dienstag nicht auftun sollten, in der zweiten Runde des DFB-Pokals in Wolfsburg (20.30 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE). „Das wird schwierig, das ist eine gute Mannschaft, gegen die wir uns in den letzten Jahren nie so leicht getan haben, vor allem auswärts“, warnte Bayern-Kapitän Philipp Lahm. Sein Kollege Arjen Robben sprach von einem „Tod oder Gladiolen“-Spiel: „Du kannst dir nichts erlauben.“ Auch keine schludrigen 30 Minuten nach dem Anpfiff.

Bayern München – 1. FC Köln 4:0 (2:0)
1:0 Robben (35.)
2:0 Vidal (40.)
3:0 Lewandowski (62.)
4:0 Thomas Müller (77., Foulelfmeter)

Bayern: Neuer – Lahm, Jerome Boateng (62. Martinez), Alaba, Rafinha – Vidal – Coman, Robben (65. Kimmich), Thomas Müller (78. Thiago), Costa – Lewandowski.
Köln: Horn – Risse, Sörensen, Maroh, Heintz, Hector – Lehmann, Vogt – Zoller (71. Hosiner), Gerhardt (75. Svento) – Modeste (58. Osako).
Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)
Zuschauer: 75.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Rafinha (3) – Lehmann (3)

Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *