Ergebnisse der Familiensynode: So viel Streit, so wenig Fortschritt

Ein Happyend, hurra! So viel Freude im Vatikan ist selten. 270 Würden- und Amtsträger der römisch-katholischen Kirche haben drei Wochen lang diskutiert, gestritten und sich teilweise auch gefetzt. Nur aus sicherer Deckung natürlich. Ansonsten sind sie angemessen freundlich miteinander umgegangen. Und jetzt haben sie mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit ein Dokument mit 94 Paragraphen verabschiedet, das nahezu allen gefällt. Den Dogmatikern wie den Reformern.

Vor allem, weil nichts Schlimmes drin steht – aus beiderseitiger Sicht. Die Konservativen haben größere Veränderungen blockiert, die reine Lehre erfolgreich verteidigt. Die Erneuerer haben ein wenig an Boden gewonnen und können sagen, es gehe zwar langsam, aber immerhin weiter in die richtige Richtung. So harmonisch kann Kirche sein.

„Berufung und Mission der Familie in der Kirche und der Welt von heute“, so lautete das Thema dieser katholischen Weltversammlung. Zugespitzt hatte es sich bald auf die in den westlichen Industrieländern offenbar besonders relevante und medial interessante Frage: Dürfen Menschen, deren Ehe geschieden wurde und die ein zweites Mal heiraten, ohne in der Zweit-Allianz auf sexuelle Aktivitäten zu verzichten, dürfen die an der Kommunion teilnehmen?

Auf keinen Fall, sagen die einen, denn „was Gott verbunden“ habe, dürfe „der Mensch nicht scheiden“. Doch die anderen halten dagegen, dass die Gesellschaften und die Menschen und damit auch die Liebe und die Ehe sich seit zweitausend Jahren ziemlich geändert hätten. Und wenn man dem nicht Rechnung trüge, wären die Kirchen bald gänzlich leer.

Wie ist das mit der neuen Ehe?

Doch in ihrer immer währenden Weisheit hat „Mutter Kirche“, beziehungsweise ihr oberstes Personal, nun endlich die Lösung aus dem Dilemma gefunden: Die Regeln bleiben, wie sie sind – doch im Einzelfall könne man womöglich, eventuell davon ausnahmsweise abweichen. Dazu gelte es, ganz genau zu prüfen, wie war die Situation der Geschiedenen, wie ist das mit der neuen Ehe? Reine Lust oder glaubensgesättigte Last?

Nah dran an dieser Er-Lösung war die Kirche schon 1981 – der Papst hieß damals Johannes Paul II. und war ein konservativer Pole. Der verschickte ein „Apostolisches Schreiben“ (Titel: „Familiaris Consortio“) – in der profanen Welt würde man sagen, eine schriftliche Anordnung – die eine „weit verbreitete Fehlentwicklung“ beklagte. Dass nämlich Geschiedene, wenn sie erneut heiraten, der katholischen Kirche leicht verloren gingen. Das müsse ja nicht sein, auch wenn die Zweit-Getrauten von den Sakramenten ausgeschlossen blieben.

Das Problem, schrieb der Papst, müsse „unverzüglich“ aufgegriffen werden. Und er schrieb auch wie: „Die Hirten mögen die verschiedenen Situationen gut unterscheiden“, denn es sei ja wohl „ein Unterschied, ob jemand völlig zu Unrecht verlassen wurde oder eine kirchlich gültige Ehe durch eigene schwere Schuld zerstört hat“.

Und heute, gerade einmal 34 Jahre später, einigt sich die Kirche auf just diesen Weg. Ja, es soll sogar noch etwas weiter gehen, als Johannes Paul II. es sich damals wünschte. Die Ausnahme-Fälle der Erlaubt-Geschiedenen – also die Guten – sollen vielleicht irgendwann, nach Buße oder Zeitablauf, sogar wieder zu den Sakramenten zugelassen werden. Die Bösen natürlich nicht.

Viele Bischöfe fanden das Thema Homosexualität zu heikel

Eine andere Gruppe von Katholiken muss noch ein Weilchen länger warten, bis die Kirche sie akzeptiert: Homosexuelle und vor allem homosexuelle Paare hatten gehofft, von dieser Synode ein bisschen mehr Akzeptanz zu bekommen. Aber das Thema wurde eigentlich nur am Rande besprochen. Viele Bischöfen aus Afrika, Lateinamerika und Asien fanden es viel zu „heikel“. Dafür verständigten sich die Bischöfe darauf, Familien, die Problem-Angehörige mit homosexuellen Neigungen in ihrer Mitte hätten, Hilfe anzubieten. Was immer damit gemeint sein möge.

Dass man nicht die „endgültige Lösung für alle Schwierigkeiten“ gefunden habe, hat Franziskus schon in seinem Schlusswort gesagt. Aber man habe Zeichen einer „lebendigen Kirche“ gesetzt.

Tatsächlich zählt ja sowieso nur, was er aus den Diskussionen und den Texten der Synode aufgreift. Was die Synode nach drei Wochen langen Diskussionen und 1350 Änderungsanträgen zum Schlusstext heute in Rom beschlossen hat, ist eigentlich eher zweitrangig. Der Papst entscheidet, ganz allein, was sich ändert und was nicht.

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